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Engagement im Verein

Neuköllner Kicker für Integrationspreis nominiert

(DFB). Gemeinsam kicken, gemeinsam leben: Der Fußballclub Rot-Weiss aus Berlin-Neukölln ist für den Integrationspreis des Deutschen Fußballbundes nominiert worden. Der Preis richtet sich an Vereine, Verbände, Schulen und Initiativen, die die verbindende Kraft des Fußballs zur Integration von Menschen mit Migrationshintergrund nutzen.


Bild zur Nachricht
Foto: NFC Rot-Weiss 32 e.V

Kicken im Kiez: Der NFC Rot-Weiss 1932 e.V. ist in Neukölln bestens vernetzt. Die Zusammenarbeit mit dem Büro des Reuterquartiers und dem Campus Rütli - einem Zusammenschluss aus Oberschule, Grundschule und Kindertagesstätte (Kita) rund um die bekannte Rütli-Straße - trägt Früchte in einem Bezirk Berlins, in dem fast die Hälfte der rund 20.000 Menschen einen Migrationshintergrund hat.

Der Klub selbst hat knapp 1300 Mitglieder, davon haben etwa 75 Prozent ausländische Wurzeln. Ganz klar, dass Integrationsarbeit hier eine besondere Rolle spielt. Speziell gefördert wird der Mädchenfußball - auch das ein Grund, warum der Traditionsklub für den DFB- und Mercedes-Benz-Integrationspreis 2009 in der Kategorie Verein nominiert ist. DFB.de-Redakteur Christian Müller hat in Neukölln weitere Gründe ausgemacht.

Multi-Kulit-Geschmack im Vereinsheim

Wer das Vereinsheim des NFC Rot-Weiss Berlin 1932 betritt, kann sich eigentlich nur wie zu Hause fühlen. Die Räume etwas muffig, aber urgemütlich, viele Pokale, Wimpel - und vor allem: zur Begrüßung ein Plakat der deutschen Europameister von 1996. Der EM-Triumph in England, mithin der letzte Titelgewinn der Nationalmannschaft, bunt und im DIN-A2-Format. Da weiß jeder Besucher gleich, was Sache ist.

Was ein wenig deutschtümelnd anmutet, ist alles andere als das: Das Vereinsleben der Neuköllner hat vielmehr einen Multi-Kulti-Geschmack, hier treffen sich Menschen aus wenigstens zwei Dutzend Nationen oder Herkunftsländern, die ihr Hobby vereint: der Fußball.

"Er schafft ein gesundes Umfeld im Kiez", sagt Ülver Sava, ein 40-jähriger Deutsch-Türke, Ehrenamtsbeauftragter und Schiedsrichter-Obmann des Klubs, zudem einer der Integrationsbeauftragten im Berliner Fußball-Verband. Der Multifunktionär und aktive Schiedsrichter, der sich selbst als "Bindeglied zwischen den Ausländern und Deutschen im Verein" beschreibt, ist überzeugt: "Der Sport fördert die Sozialkompetenzen, gerade an einem sozialen Brennpunkt wie hier mit der berühmten Rütli-Schule."

Ball-Geschenke für die Mädchen

In deren Umfeld ist in den vergangenen Jahren viel passiert, viel Positives vor allem. "Es tut sich einiges", sagt Ahmed Sözen, der zweite Vorsitzende des NFC Rot-Weiss. "Nord-Neukölln war noch vor ein paar Jahren ein toter Bezirk, jetzt ist hier Leben und Aufbruchstimmung. Das ist auch dem Campus Rütli zu verdanken, der wie ein Motor für den Kiez ist."

Der sympathische 37-Jährige ist zu bescheiden, um das zu sagen: Aber er selbst hat einen nicht unwesentlichen Anteil an dieser Entwicklung. Wer den gebürtigen Berliner, der seit 25 Jahren in Neukölln lebt und alle drei Kinder am Campus Rütli hat, durch den Stadtteil begleitet, merkt schnell: Sözen bildet das Zentrum eines fein gesponnenen Netzes, vermittelt zwischen den Rütli-Schulen, dem Verein und Quartiersbüro, trainiert den Fußball-Nachwuchs in Klub und Schul-AGs und ist Mitglied in Schul- und Einwohnergremien.

"Ahmed ist der ideale Mittelsmann und Macher", sagt Luzia Weber vom Reuterquartier. "Er kennt jeden und kann fast alles möglich machen." Beispiel gefällig? In der Mädchenfußball-AG hat er für jede Teilnehmerin einen Ball und eine Pumpe besorgt, als Geschenk natürlich. Die Mädchen haben es ihren Schwestern und Freundinnen erzählt, mittlerweile spielen 50 von ihnen Fußball - die meisten auch beim NFC.

"Die ganze Familie ins Boot holen"

Es ist die klassische Win-Win-Situation: Alle Parteien profitieren von der Zusammenarbeit, die im Fall der Neuköllner auch auf einer menschlich sehr angenehmen Ebene vonstatten geht. Sözen ist bei den Eltern der Kinder und Jugendlichen anerkannt, die überwiegend türkischen Familien vertrauen ihm, auch wenn er selbst inzwischen die türkische Staatsangehörigkeit zu Gunsten der deutschen aufgegeben hat. Auch viele der Mädchen, die Kopftuch tragen, dürfen mittlerweile Fußball spielen.

"Es ist wichtig, die ganze Familie ins Boot zu holen", weiß Ahmed Sözen, "ohne geht nicht." Das sieht dann oft so aus, dass Eltern gemeinsam mit Trainern und Betreuern Integrationsseminare besuchen oder selbst als Übungsleiter eingesetzt werden. Und wer das beim NFC macht, engagiert sich auch im Bezirk, interssiert sich mehr für die schulischen Belange der eigenen Kinder.

Der Verein als Multiplikator

"Insofern ist der Verein für uns als Multiplikator sehr wichtig", sagt die Quartiersmanagerin Weber, die gemeinsam mit ihrer Kollegin Ilse Wolter und vielen Helfern im öffentlichen Auftrag an der Verbesserung der Lebensbedingungen von 20.000 Nord-Neuköllnern auf rund 70 Hektar Fläche arbeitet. "Integration durch Bildung" ist eine wichtige Leitlinie der aus Städtebau-Fördermitteln von Stadt, Land und Bund getragenen Quartierinitiative.

Es gibt bereits ein provisorisches Elternzentrum, ein eigenes Haus ist in Planung. "Eltern sollen einen eigenen Ort haben, wo sie sich über die (Aus-) Bildung ihrer Kinder informieren und austauschen können", sagt Wolter. "In unserer stark vernetzten Quartiergemeinschaft können große Synergieeffekte erzielt werden - auch dank der Nähe zum Vereinsgelände des NFC."

Dort herrscht gerade reger Betrieb, auch wenn ein Mädchenfußball-Training ausgefallen ist. Rohrbruch in der Turnhalle, die Kälte hat auch Neukölln dieser Tage fest im Griff. Im Vereinsheim sitzen sie im Warmen zusammen und haben es gemütlich, inmitten all der Pokale und Wimpel. Das EM-Plakat ragt über allen wie eine Verheißung. "Vielleicht", sagt Ahmed Sözen und lacht, "bilden wir auch mal einen Europameister aus - oder eine Europameisterin."

150.000 Euro Preisfonds, 239 Bewerber, neun Nominierte

Seit 2007 wird der DFB- und Mercedes-Benz-Integrationspreis verliehen. Mit 150.000 Euro in Geld- und Sachwerten zählt er zu den höchstdotierten Sozialpreisen in Deutschland. 239 Vereine, Schulen und Projekte reichten 2009 ihre Unterlagen ein.

Eine Jury mit DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger, Staatsministerin Professor Dr. Maria Böhmer, Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff und Ursula Schwarzenbart von DFB-Generalsponsor Mercedes Benz wählte neun Nominierte aus. Der Integrationspreis wird beim Frauen-Länderspiel gegen Nordkorea am 17. Februar 2010 in Duisburg verliehen.

Die Nominierten für den Integrationspreis 2009


pfeil  Für Integrationspreis nominiert: Grundschule macht sich für Mädchenfußball stark
pfeil  Für Integrationspreis nominiert: In Dietzenbach kommt es auf Teamgeist an

(Freitag, 29.01.)

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