Für Integrationspreis nominiert
Grundschule macht sich für Mädchenfußball stark
(DFB). Die Grundschule an der Landskronastraße im Bremer Stadtviertel Marßel ist für den Integrationspreis des Deutschen Fußball-Bundes nominiert worden. Laut DFB macht sich die Schule, auf der etwa 75 Prozent aller Kinder einen Migrationshintergrund haben, für die Integration von Mädchen durch Sport stark. So treffen sich rund 20 Mädchen, größtenteils aus türkischen und russischen Familien, einmal in der Woche nachmittags zum Fußballspielen.
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| FOTO: DFB |
Die Grundschule an der Landskronastraße im Bremer Stadtviertel Marßel ist für den DFB- und Mercedes Benz-Integrationspreis nominiert. Unter 239 Einsendungen von Vereinen, Schulen und Projekten aus ganz Deutschland wurde die Bremer Schule ausgewählt und gehört jetzt zum exklusiven Kreis der neun Nominierten.
Eine Jury, der DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger, die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung Maria Böhmer, Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff und Ursula Schwarzenbart von Mercedes Benz angehören, hat die Bremer in der Kategorie „Schule“ ausgewählt. Der Preis wird am 17. Februar 2010 im Rahmen des Frauen-Länderspiels Deutschland gegen Nordkorea in Duisburg vergeben. DFB.de-Redakteur Thomas Hackbarth berichtet, wie die Bremer Grundschule für eine durchaus zersplitterte Schülerschaft den gemeinsamen Nenner findet.
„Verraten Sie uns jetzt, was Sie mit dem Geld anfangen“, fragt Günther Jauch, wenn der Kandidat die Gewinnstufe erreicht hat, ob souverän oder nach verzweifeltem Verfeuern aller Joker. Und dann wundern wir uns, weil wir bei dem älteren Herren auf dem Kandidatenstuhl nicht mit dem Kauf einer Harley gerechnet hätten. Oder langweilen uns, weil’s mal wieder die große Reise sein soll. Ernst Nullmeyer hat andere Pläne. Ernst Nullmeyer will sich eine mehrere hundert Quadratmeter große Bewegungslandschaft kaufen.
75 Prozent von 240 Kindern mit Migrationshintergrund
Der Leiter der Grundschule an der Landskronastraße im Bremer Stadtviertel Marßel musste im September die in die Jahre gekommenen Spielgeräte abreißen lassen. Etwa 6000 Menschen wohnen in Marßel, einem Viertel im Norden der Weserstadt: Hochhäuser, sozialer Wohnungsbau, viele Menschen suchen Arbeit, das Wohnviertel prägt ein hoher Ausländer- und Migrantenanteil. Nullmeyers Schule besuchen täglich 240 Kinder zwischen sechs und zehn Jahren. 75 Prozent haben einen Migrationshintergrund, womit gesagt ist, dass mindestens ein Elternteil im Ausland geboren wurde.
Für die Lehr- und Lernmittel und für Turnhallenreparaturen muss jährlich ein Budget von 12.000 Euro ausreichen. Für die kindgerechte Gestaltung des Pausenhofs stehen kaum öffentliche Gelder zur Verfügung. Das alte Spielgerät auf dem Pausenhof aber war baufällig geworden, ein Unfallrisiko für die spielenden Kinder. Doch ohne Spielgeräte fehlt eine Anregung, aus Langeweile kommt es zu Rangeleien. „Das Geld vom DFB und Mercedes Benz wäre ein Segen“, sagt der Schulleiter.
Die Grundschule an der Landskronastraße macht ihren Schülern und den Eltern seit Jahren ein breit gefächertes Angebot. Sie tut dies mit viel Pfiff. Das erinnert auch an Werder, den heißgeliebten Fußballklub der Stadt – die Konkurrenz mag mehr Mittel haben, aber durch Kreativität und Spielintelligenz lässt sich vieles wettmachen. „Wir haben unser Leitbild und Programm den Gegebenheiten anpassen müssen“, erklärt Ernst Nullmeyer. Die Stahlwerke Bremen hatten in den siebziger Jahren viele italienische, später dann türkische Gastarbeiter nach Marßel gelockt.
1972 hatte die Schule 33 Klassen mit insgesamt 1100 Schülern. Seitdem leidet das Viertel unter dem Wegzug von Einwohnern, auch vieler besser verdienender Familien. „Die Eltern aus den Einfamilienhäusern in Marßel versuchen ihre Kinder auf andere Schulen zu bringen. In Bremen gibt es einen Wettkampf der Grundschulen um die Kinder“, berichtet Nullmeyer.
Treffen der Schüler auch nach dem Unterricht
Die Schule an der Landskronastraße ist gezwungen, ein attraktives Angebot zu machen, um dem Schülerschwund zu begegnen, aber auch um das Zusammenwachsen einer sprachlich und kulturell durchaus heterogenen Schülerschaft zu fördern. „Bei unseren AGs und Kursen treffen sich die Schüler, egal ob Deutsche, türkischer oder anderer Herkunft, auch nach dem Unterricht. Unsere Angebote ermöglichen zudem Schülern mit noch ausbaufähiger Sprachkompetenz das Mitmachen. Das ist wichtig für die Eingliederung“ Und so werden an der Landskronastraße eine Schreibwerkstatt angeboten und ein Chor, auch ein Leseklub, ein PC-Kurs, es trifft sich eine Schachgruppe und die Trommel-Kids, dazu können Eltern ihre Kinder außerhalb der Schulstunden in Türkisch, Russisch und Arabisch unterrichten lassen.
Man fragt sich, woher das Kollegium die Stunden nimmt...und weiß schon die Antwort. „Mit viel Idealismus“, sagt Ernst Nullmeyer. Die Schule hat für ihre Angebote bereits mehrere Preise gewonnen. „Die Grundschule an der Landskronastraße in Bremen ist eine weit überdurchschnittliche, erfolgreiche Grundschule, die auf hohem Niveau ihren Bildungs- und Erziehungsauftrag realisiert“, heißt es in einem Bericht externer Evaluatoren aus dem Jahr 2008.
Auf große Begeisterung unter den 240 Schülerinnen und Schülern trifft das breit gefächerte Sportangebot: Trampolin, Turnen, Einrad fahren, Tischtennis und natürlich Fußball. Sportlehrer Siegbert Sloot sagt: „Fußball ist unglaublich verbindend, das können alle Kinder, Jungs wie Mädchen. Wir haben viele Kinder mit den geringsten Deutschkenntnissen, aber auch die spielen beim Fußball begeistert mit.“
Die Grundschule an der Landskronastraße ist zudem einer von 35 Stützpunkten des DFB-Projektes „Soziale Integration von Mädchen durch Fußball“. Rund 20 Mädchen, größtenteils aus türkischen und russischen Familien, treffen sich einmal in der Woche nachmittags zum Fußballspielen. Kooperationspartner der Grundschule bei den vielen fußballerischen Angeboten ist der Landesliga-Klub SG Marßel.
„Mit dem Integrationspreis wollen wir vorbildliche Maßnahmen auszeichnen, die die Integration von Kindern und Jugendlichen – insbesondere von Mädchen – mit Migrationshintergrund durch Fußball fördern“, beschreibt DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger die Zielsetzung des Integrationspreises. Genau dies geschieht an der Grundschule in Marßel. Das Bremer Engagement wird am 17. Februar in Duisburg ausgezeichnet.
Weitere Informationen unter www.dfb.de
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(Donnerstag, 24.12.)
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