Spenden verbaut
Mehr Platz für behinderte Kinder aus Armenvierteln
(Kindernothilfe). Die Kindernothilfe-Partnerorganisation Cervac in der brasilianischen Stadt Recife hat die Erweiterung seines Förderzentrums für behinderte Kinder gefeiert. Der Bau war möglich geworden, nachdem Leser bei der Weihnachtsaktion der WAZ vor zwei Jahren rund 100.000 Euro gespendet hatten. Hinzu kamen weitere 37.000 Euro von Kindernothilfe-Paten und 23.000 Euro der Buchholzer Trinitatis- und St. Judas Thaddäus-Gemeinde. Das Förderzentrum wird von Kindern aus den umliegenden Armenvierteln besucht.
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| Foto: Jürgen Schübelin |
"Wir hätten das ohne euch nie geschafft", sagt Jairo Gomes ohne jedes Pathos, "deshalb wird dieses Gebäude, solange wir hier arbeiten, immer auch das Haus der Menschen aus Buchholz sein." Nach etwas mehr als einem Jahr Bauzeit führt der Koordinator des Zentrums zur Förderung und Rehabilitation von Kindern mit Behinderungen, CERVAC, seine Gäste mit sichtlichem Stolz durch den Erweiterungsteil des Projektes mit seinen neuen Therapie- und Arbeitsräumen für inzwischen 320 Kinder und Jugendliche, die alle aus den umliegenden Armenvierteln des Morro da Conceição im Nordwesten der brasilianischen Hafenstadt Recife kommen.
Pfarrer Dietrich Köhler-Miggel von der Duisburger Trinitatis-Gemeinde, Harald Stecker aus dem Gemeinderat von St. Judas Thaddäus und Rolf-Robert Heringer, der stellvertretende Vorstands-Vorsitzende der Kindernothilfe, wurden gemeinsam mit dem deutschen Generalkonsul in Recife, Thomas Wülfing, von dem CERVAC-Team eingeladen, um den Neubauteil des Förderzentrums einzuweihen: "Ihr könnt euch überhaupt nicht vorstellen", erklärt Jairo den Besuchern aus Duisburg, "wie sehr wir auf diesem Augenblick gewartet haben!"
Jahrelang hatte das Therapeuten-Team von CERVAC gemeinsam mit den Müttern der überwiegend mehrfach- und schwerbehinderten Kinder unter äußerst prekären Bedingungen auf engstem Raum gearbeitet, Mädchen und Jungen in Rollstühlen täglich über ein verwinkeltes Treppenhaus in die oberen Stockwerke gewuchtet - und immer wieder schweren Herzens hilfesuchende Familien abweisen müssen, weil das Projekt räumlich aus allen Nähten platzte.
Spätestens seit 2005 war allen Beteiligten klar, dass es in dem alten CERVAC-Projektgebäude mit seinen viel zu kleinen, vielfach fensterlosen Räumen einfach nicht mehr weitergehen konnte. Doch für die Kindernothilfe, die seit über zehn Jahren der wichtigste Kooperationspartner dieser aus einer Selbsthilfe-Initiative von Eltern mit Kindern mit Behinderungen hervorgegangenen Einrichtung ist, war die Aufgabe allein nicht zu schultern. Den Durchbruch brachte die WAZ-Weihnachtsaktion des Jahres 2007, als Leserinnen und Leser aus dem gesamten Verbreitungsgebiet der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung innerhalb weniger Wochen über 100.000 Euro zugunsten der Kinder vom Morro da Conceição oberhalb von Recife spendeten. Bereits zuvor hatten Kindernothilfe-Paten jene 37.000 Euro aufgebacht, die gebraucht wurden, um das Grundstück für den Neubau kaufen zu können. Weitere 23.000 Euro trugen die Buchholzer Trinitatis- und die St. Judas Thaddäus-Gemeinde in einem eindrucksvollen ökumenischen Kraftakt zusammen.
Rolf-Robert Heringer vom Kindernothilfe-Vorstand machte während der Einweihungszeremonie in Recife noch einmal deutlich, welcher besondere Stellenwert diesem breiten Unterstützungsbündnis zukommt: "Das ist auch für uns von der Kindernothilfe eine großartige Erfahrung, zu erleben, wie viele Menschen aus einer ganzen Region sich derart für dieses Projekt engagiert haben und wie sehr die Kinder aus CERVAC hier im Duisburg-Süden dazu beigetragen haben, eine wirklich modellhafte ökumenischen Zusammenarbeit
weiter zu festigen."
Generalkonsul Thomas Wülfing erinnerte in seiner Ansprache daran, welchen Ausgrenzungen und Diskriminierungen Kinder mit Behinderungen und ihre Familien, vor allem dann, wenn sie aus Armenvierteln kommen, in Brasilien noch immer ausgesetzt sind: "CERVAC gibt nicht nur diesen Kindern, sondern auch ihren Familien Würde und Selbstvertrauen, macht deutlich, dass diese Mädchen und Jungen Rechte haben und der Staat ihre Teilhabe in allen Bereichen garantieren muss." An die WAZ-Chefredaktion und die Unterstützerinnen und Unterstützer der Weihnachtsaktion von 2007 gerichtet, sagte der Diplomat: "Es war mutig, dass Sie die Kinder vom Morro da Conceição in den Mittelpunkt Ihrer Kampagne gestellt haben. Ich kann Ihnen heute sagen, Ihr Engagement war gut investiert!"
650 zusätzliche Quadratmeter stehen, verteilt auf drei Stockwerke, jetzt für neue Räume zur Physiotherapie, den Arbeitsbereich der Audio-Phonologen, die mit gehörgeschädigten Kindern arbeiten, für den Unterricht mit den verschiedenen Kleingruppen, den neuen Speisesaal und die Sanitärräume des CERVAC-Zentrums zur Verfügung. Vor allem aber gibt es eine breite, bequeme Rampe, um die Kinder in Rollstühlen ohne große Kraftakte in alle drei Stockwerke zu schieben.
Über ein Jahr hatte das CERVAC-Team um die Baugenehmigung für das neue Zentrum kämpfen müssen. Die zuständige Behörde bearbeitete den Antrag nur im Schneckentempo, stellte sich stur, erfand immer neue Ausreden. Am Ende mobilisierten CERVAC und das Team im Kindernothilfe-Projektbüros in Recife alle ihre kommunalpolitischen Kontakte und vor allem die Familien der Kinder, um Druck auszuüben. Am Tag, nachdem die Baufreigabe im September 2008 endlich erteilt war, legten die Maurer sofort los. Bereits Anfang 2008 hatten die Eltern der Kinder, unterstützt von zahlreichen Nachbarn auf dem Morro da Conceição, in Tausenden von freiwilligen Arbeitsstunden das alte Haus auf dem neuen Grundstück abgetragen, den Bauschutt beseitigt und das gesamte Terrain für den Neubau vorbereitet.
Gisele López Albuquerque, die Vizepräsidentin von CERVAC, enthüllte zum Ende der Einweihungszeremonie gemeinsam mit Rolf Heringer eine Erinnerungstafel im Eingangsbereich des Zentrums, auf der sich Eltern, Mitarbeiter und Kinder noch einmal für das Engagement der Mitwirkenden an der WAZ-Weihnachtsaktion - sowie der Kindernothilfe-Spenderinnen und Spender bedanken. Gisele, eine selbstbewußte junge Frau mit Down Syndrom, hatte das im März dieses Jahres bereits persönlich getan, als sie als Botschafterin aller von der
Kindernothilfe in Brasilien geförderten Projekte am 50jährigen KNH-Jubiläum in der Mercator-Halle teilnahm und in Buchholz über die CERVAC-Arbeit informierte.
Rolf-Robert Heringer, Pfarrer Dietrich Köhler-Miggel und Harald Stecker werden über ihre Brasilien-Reise und den Besuch bei CERVAC am kommenden Sonntag, 25. Oktober, ab 15 Uhr im Evangelischen Gemeindezentrum in der Arlberger Straße (Duisburg-Buchholz) berichten.
Mehr Infos unter www.kindernothilfe.de
(Montag, 19.10.)
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