52 Kilometer Protest
15.000 Menschen bilden Lichterkette
Braunschweig (epd). 15.000 Menschen haben gestern abend mit einer Lichterkette von Braunschweig zum Atommüllager «Asse II» und zum «Schacht Konrad» gegen die Endlagerung von Atommüll in Niedersachsen protestiert. Die Fackeln stünden für die Forderung, endlich Licht ins Dunkel um die undichte Asse II zu bringen. Ein ehemaliger Mitarbeiter, der an Leukämie leidet, verlangte bei der Auftaktveranstaltung einen Untersuchungsausschuss.
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| 10.000 Menschen hielten Fackeln gegen die Vorgänge im Atommülllager Asse II hoch. Auch am Kornmarkt von Wolfenbüttel. |
Mit einer 52 Kilometer langen Lichterkette von
Braunschweig zum Atommüllager «Asse II» bei Wolfenbüttel und zum
«Schacht Konrad» in Salzgitter haben am Donnerstagabend
Bürgerinitativen und Anwohner gegen die atomare Endlagerung in
Niedersachsen protestiert. Das Organisationsbüro ging nach ersten
Zählungen von mehr als 15.000 Teilnehmern aus. Bereits zu
Beginn der Woche waren 10.000 Fackeln für die Aktion verkauft worden.
Sie sollten «aufleuchten und Licht ins Dunkel bringen».
In dem Aufruf zur Lichterkette hieß es, die Ereignisse im
Salzbergwerk Asse II hätten viele Menschen in der Region Braunschweig
wachgerüttelt. So dürfe mit Atommüll nicht umgegangen werden, weder
in der Asse, noch in Morsleben, Gorleben oder im «Schacht Konrad».
«Wir brauchen dringend eine offene Informationspolitik und einen
Untersuchungsausschuss», forderte der ehemalige Asse-Mitarbeiter
Eckbert Duranowitsch bei der Auftaktkundgebung auf dem Braunschweiger
Kohlmarkt: «Hier wird nicht mit offenen Karten gespielt.» Der an
Leukämie erkrankte Duranowitsch berichtete über seine Krankheit, die
er lange Zeit nicht im Zusammenhang mit seiner Tätigkeit im Lager
Asse gesehen habe. Seine Arbeitgeber hätten keinerlei Zweifel an der
Sicherheit in dem ehemaligen Bergwerk gelten lassen. «Es ist eine
unglaubliche Schweinerei, mit welcher Vehemenz dort die Unwahrheit
gesagt wurde», sagte Duranowitsch. Dem ehemaligen Betreiber, dem
Helmholtz-Zentrum, seien mindestens sechs Todesfälle bekannt.
Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) und der
braunschweigische Landesbischof Friedrich Weber hatten die
Demonstration bereits im Vorfeld begrüßt. «Die Lichterkette und der
Protest gegen die drohenden Gesundheitsgefährdungen in unserer
gemeinsamen Heimat durch Atommüll und seine billige und unsachgemäße
Entsorgung sind wichtig auch für meine Arbeit», teilte Gabriel mit,
der auch Bundestagsabgeordneter für die Region ist. Ohne das
Engagement vieler Bürger wäre es nicht durchsetzbar gewesen, Asse II
endlich unter die Aufsicht des Bundesumweltministeriums zu stellen.
Gabriel kündigte an, die möglichen Sicherheitsmaßnahmen in der Asse
sorgfältig, ohne Zeitdruck und ohne politische Vorgaben untersuchen
zu lassen.
Bischof Weber sagte, die Aktion zeige, dass sich eine breite
Öffentlichkeit in der Verantwortung für Gottes Schöpfung sehe. Die
braunschweigische Landessynode, das evangelischen Kirchenparlament,
habe in einem Beschluss im November den weiteren Ausbau der
Kernenergie mit Blick auf das undichte und einsturzgefährdete
Atommüllager «Asse II» abgelehnt. Der Ausbau sei nicht zu
verantworten, so lange keine gesicherte Endlagerung gewährleistet
sei. Auch die derzeitige Nutzung sei problematisch.
Danke für den Widerstand: Gabriel lobt Hartnäckigkeit der Asse-Gegner
(Freitag, 27.02.)
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