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Mehr als 1000 Neugründungen

Zahl der Stiftungen wächst

Berlin (epd). Das deutsche Stiftungswesen boomt trotz Finanzkrise weiter. Im vergangenen Jahr sei mit 1.020 Neugründungen erneut die «1.000er Marke überschritten» worden, sagte der Vorstandsvorsitzende des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen und Generalsekretär der VolkswagenStiftung Wilhelm Krull.


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Derzeit gebe es in Deutschland 16.406 rechtsfähige Stiftungen mit einem geschätzten Gesamtvermögen von rund 100 Milliarden Euro. Das seien sechs Prozent mehr als im Vorjahr.

Nach Mitteilung des Bundesfinanzministeriums vom Mittwoch stieg die Zahl der Neugründungen in den beiden vergangenen Jahren um 21 Prozent. Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) führte dies auf Steuererleichterungen für Stifter zurück, die 2007 in Kraft getreten sind. Er begrüßte, dass es auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten eine hohe Bereitschaft von Bürgern und Bürgerinnen gebe, einen Teil ihres Vermögens für das Allgemeinwohl einzusetzen.

Der Vorstandsvorsitzende des Bundesverbands der Stiftungen sagte: «Unsere Stiftungen sind relativ krisenfest, weil sie konservativ strukturiert sind.» Anders als beispielsweise in den angelsächsischen Ländern werde mit dem Stiftungsvermögen nicht spekuliert, sondern das vorhandene Geld wie vom Gesetz vorgeschrieben breit angelegt. Die Mehrzahl der Stiftungen verfüge über gar keine Aktien, bei den Großen wie der VolkswagenStiftung liege der Aktienanteil bei maximal 25 Prozent. In den USA seien 70 Prozent üblich. «Deshalb werden trotz zu erwartender leichter Verluste unsere Stiftungen grundsätzlich nicht wackeln», sagte Krull.

Mit dem seit Jahren anhaltenden Gründungsboom von Stiftungen in Deutschland sei das Land im europäischen Vergleich Spitze, sagte der Generalsekretär des Bundesverbandes, Hans Fleisch. Seit dem Jahr 2000 wurden mit 7.853 bereits mehr Stiftungen errichtet als in der 51-jährigen Geschichte der Bundesrepublik zuvor. Wesentliche Ursachen dafür seien Gesetzesreformen aus den Jahren 2002 und 2007, so Fleisch.

Anhaltend ist die Zweiteilung der deutschen Stiftungslandschaft in West und Ost. 942 der Neugründungen im vergangenen Jahr entfielen auf die alten Bundesländer, 78 Stiftungen wurden in Ostdeutschland gegründet. Mit einer Annäherung der Zahlen rechnet Krull erst in den kommenden 15 Jahren.

Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) verwies auf die wachsende Bedeutung von Bürgerstiftungen, in denen sich alle Bürger mit Spenden oder freiwilliger Arbeit für ihr örtliches Umfeld engagieren können. Derzeit gebe es 210 solcher Stiftungen, erklärte von der Leyen, in denen allein im vergangenen Jahr 260.000 freiwillige Arbeitsstunden geleistet worden seien. An erster Stelle stehe die Förderung von Kindern und Jugendlichen, gefolgt von sozialen und generationenübergreifenden Projekten.

Unter den Top50 der Stiftungsdichte in Großstädten taucht nur Potsdam mit 24 Stiftungen als einzige ostdeutsche Stadt auf Platz 37 auf. Bundesweite Stiftungshauptstadt ist Frankfurt am Main mit 72 Stiftungen, gefolgt von Würzburg mit 69, Hamburg mit 64 und Oldenburg mit 60.

Im Ranking der Bundesländer ist Hamburg bei der Stiftungsdichte mit 64 Stiftungen auf 100.000 Einwohner führend. Schlusslicht ist Brandenburg mit fünf Stiftungen. Bei der Gesamtanzahl von Stiftungen führt Nordrhein-Westfalen mit 3.159 Stiftungen die Liste an, gefolgt von Bayern (2.918), Baden-Württemberg (2.452) und Niedersachsen (1.744). Schlusslichter sind auch hier die ostdeutschen Länder Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg mit 137 beziehungsweise 132 Stiftungen.

Die meisten Stiftungen verfolgen soziale Zwecke (28 Prozent) oder wollen Wissenschaft und Forschung oder Bildung und Erziehung fördern (13 und 16 Prozent). Der Unterstützung von Kunst und Kultur haben sich 17 Prozent verschrieben, dem Umweltschutz dienen etwa sechs Prozent. Viele Stiftungen verfolgten aber nicht mehr explizit nur ein Ziel, sondern seien thematisch breiter aufgestellt, so dass häufig die Grenzen fließend seien, sagte Generalsekretär Fleisch.

Internet: www.Stiftungen.org/Statistik


pfeil  Bundesverband rechnet vor: Zahl der Stiftungen wächst weiter

(Mittwoch, 11.02.)

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