Diskussion um DZI-Siegel
Bundestagsausschuss prüft Spendenprüfer
Berlin/Frankfurt a. M. (epd). Nach der Aberkennung des Spendensiegels für UNICEF will der Entwicklungsausschuss des Bundestages die Vergabe der Auszeichnung auf den Prüfstand stellen. Vertreter des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI) und von UNICEF seien zur nächsten Sitzung am 5. März eingeladen, sagte Ausschussvorsitzender Thilo Hoppe (Grüne).
 |
|
«Jetzt geht es um die Glaubwürdigkeit von Spendenorganisationen und
Spendensiegel». Das DZI müsse sich fragen lassen, ob es nicht früher
auf Unregelmäßigkeiten bei UNICEF hätte aufmerksam werden müssen.
Unabhängig vom Fall UNICEF müsse über die Überprüfung und Kontrolle
von Hilfsorganisationen neu nachgedacht werden, so Hoppe weiter: «Die
Frage ist, mit welchen Instrumenten das Vertrauen der Spender wieder
gestärkt werden kann». Vorgesehen sei, weitere Organisationen wie den
Deutschen Spendenrat zu dem Thema einzuladen. Das DZI-Siegel ist
bislang das einzige Qualitätszertifikat für Spenden-Organisationen.
Zuvor hatte der entwicklungspolitische Sprecher der Unionsfraktion,
Christian Ruck, Kritik am DZI geäußert. Das Institut hatte UNICEF
unter anderem wegen Provisionen an externe Spendenwerber am Mittwoch
das Spendensiegel entzogen. Man müsse nachfragen, ob die zehn
DZI-Mitarbeiter, die jährlich rund 240 Anträge zum Spendensiegel
bearbeiteten, alles im Griff haben könnten, sagte Ruck der Zeitung
«Die Welt». Problematisch sei auch, dass die Organisationen für die
Zuerkennung des Siegels zahlen müssten.
DZI-Geschäftsführer Burkhard Wilke wies die Kritik zurück. Die
Mischfinanzierung sei ein Garant für die Unabhängigkeit des
Instituts, sagte er dem epd. Das DZI finanziert sich etwa zur Hälfte
aus eigenen Einnahmen, zur Hälfte aus öffentlichen Zuschüssen. Die
Organisationen würden umfassend kontrolliert, unter anderem mit Hilfe
von Wirtschaftsprüfungsberichten. Etwa ein Drittel der Anträge auf
Erteilung des Spendensiegels würden abgelehnt. Wilke wies auf neue
Richtlinien zur Vergabe des Siegels hin, die derzeit erarbeitet
würden. Hierin sei unter anderem die Offenlegung von Managergehältern
und von Verträgen mit externen Spendenwerbern vorgesehen.
Träger der DZI-Stiftung sind unter anderem das Land Berlin, der Bund
und Verbände. Das DZI-Spendesiegel muss jedes Jahr neu beantragt
werden. Die anfallenden Prüfgebühren sind nach Höhe der Einnahmen
gestaffelt und reichen bis zu 11.900 Euro. Derzeit tragen 230
Organisationen das Siegel. Sie verfügen zusammen über ein jährliches
Spendenaufkommen von rund 1,4 Milliarden Euro.
UNICEF-Spendenaffaire: Spendenrat fordert transparente Jahresberichte
Misstrauensvotum: UNICEF Deutschland verliert Spendensiegel
Umfrage zur Spendenbereitschaft: UNICEF-Krise schreckt offenbar Spender ab
(Freitag, 22.02.)
|